Liebe, Sex und Alter

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In diesem Gastbeitrag wird ein großes Tabuthema behandelt – Sex und Pflege. Nur weil ein Mensch alt und pflegebedürftig ist, heißt das noch lange nicht, daß er gefühllos geworden ist. MIt Einfühlungsvermögen begegnet Doris Kaiser dem Thema.

Sex im Alter ist nach wie vor ein Tabuthema. In unserer jugendfokussierten Gesellschaft traut man älteren Menschen kein aktives Sexualleben zu, findet diese Vorstellung eklig oder lächerlich oder macht sich keine Gedanken darüber. Dabei ist die Sehnsucht nach Nähe, Intimität und Körperkontakt keine Frage des Alters, sondern ein lebenslanges menschliches Grundbedürfnis!

Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass der Verlust der Libido automatisch zum Älterwerden dazugehört. Doch Menschen, die in jungen Jahren Freude an Sex hatten, verlieren diese nicht plötzlich, nur weil sie älter werden.

Auch Studien widerlegen den Mythos des asexuellen alten Menschen: Für mehr als 60% der weiblichen und 80% der männlichen Befragten zwischen 40 und 80 Jahren ist Sex ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Darüber hinaus sind ältere und alte Menschen, die eine erfüllte Sexualität leben, auch deutlich zufriedener.

Wenn Menschen pflegebedürftig werden, ist das Thema Sexualität oft eine Herausforderung – für die Betroffenen ebenso wie für das Pflegepersonal. Dieses kommt ihren Schützlingen so nahe wie sonst nur der Partner oder die Partnerin. Durch Berührungen während der Pflege können unbeabsichtigt sexuelle Bedürfnisse ausgelöst werden. Pflegende Menschen sind auch immer wieder mit Situationen konfrontiert, in der die oder der Pflegebedürftige verdecktes oder offenes sexuelles Verhalten zeigt. Auch „enthemmte“ sexuelle Handlungen, wie z.B. öffentliche Selbstbefriedigung, das Aussprechen von Obszönitäten oder unsittliches Berühren des Pflegepersonals, kommen vor.

Viele Angehörige sind mit dem Thema „Sexualität und Pflege“ überfordert. Kindern ist es unangenehm, über die sexuellen Bedürfnisse oder das Sexualverhalten ihrer erkrankten Eltern nachzudenken oder gar zu sprechen. Auch die Partnerin oder der Partner einer pflegebedürftigen Person muss mit einer neuen Situation zurechtkommen. Umso wichtiger ist ein professioneller und positiver Umgang der Pflegekräfte mit diesem Thema – den Klienten sowie den Angehörigen gegenüber.
Sexualität in Verbindung mit Pflegebedürftigkeit ist ein großes Tabuthema. Dabei ist die Sexualität manchmal der einzige Bereich, in dem der oder die Gepflegte noch selbstständig über den eigenen Körper entscheiden kann. Ein aktives Sexualleben – was auch die Selbstbefriedigung miteinschließt – kann die Lebensqualität eines pflegebedürftigen Menschen enorm steigern.

Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, hier ein paar Link-Tipps für Sie:
Sexualität erleben mit Demenz – aber wie?
Sexualität in der Pflege
Bücher von Vanessa del Rae:

  • Sinnlich älter werden
  • Silber sinnlich sexy

 

Doris Kaiser begleitete als Sexualberaterin und Paarcoach bereits zahlreiche Frauen und Paare auf dem Weg in ein erfülltes Sexualleben. Durch ihr spezielles Interesse für die Besonderheiten der weiblichen Sexualität, ihr Fachwissen und ihre langjährige Erfahrung gilt die Linzerin als Expertin auf diesem Gebiet. Mit Herz und Kompetenz unterstützt sie ihre Klientinnen bei allen Fragen rund um das Thema Nummer 1.

Darüber hinaus hält die Autorin Vorträge, Workshops sowie Seminare, führt Online-Kurse durch und gibt als Trainerin ihr Wissen weiter.
www.doriskaiser.com