Gütesiegel in der 24-Stunden-Pflege

Es gibt eine Vielzahl an Gütesiegeln und Qualitätsnormen – wer kennt nicht das AMA Gütesiegel, oder BIO-Austria – um nur die Bekanntesten zu nennen, oder auch die ISO Zertifizierungen, wo Qualitätssicherungsstandards festgelegt werden.

Seit vielen Jahren wird bereits über ein Gütesiegel für Agenturen, die 24-Stunden-Betreuung anbieten, diskutiert. Immer wieder gab es Initiativen von Privaten, die versuchten ein Gütesiegel zu etablieren – ohne Erfolg.

2015 haben Caritas, Hilfswerk und Volkshilfe eine Art „Gütesiegel“ entwickelt, wo sie sich auf gemeinsame Qualitätsstandards bei der 24-Stunden-Betreuung einigten. (siehe www.derstandard.at vom 17-11-2015)

Ein erster guter Versuch – aber

  1. bieten diese Organisationen selbst 24-Stunden-Betreuung an und sind daher meiner Meinung nach befangen (Quis custodiet ipsos custodes – wer bewacht die Wächter?), auch wenn sie mit den besten Absichten diese Selbstverpflichtung eingehen, und
  2. sollte ein Gütesiegel immer von einer unabhängigen Einrichtung oder Organisation vergeben werden wie z.B. unabhängige Zertifizierungsstellen bei ISO 9000 Zertifizierungen oder von Ministerien wie z.B. dem Sozialministerium, das das NQZ vergibt.

Das NQZ (Nationale Qualitätszertifikat für Alten- und Pflegeheime) ist ein österreichweit einheitliches Fremdbewertungssystem, das „der objektiven Bewertung der Qualität von Alten- und Pflegeheimen in Österreich dienen“ soll. (www.sozialministerium.at, abgefragt am 28-11-2016)

Klingt wunderbar und ist es auch, denn jede Initiative zur Verbessung der Lebensumstände von alten, kranken und pflegebedürftigen Menschen ist zu begrüßen.

Und jetzt bin ich wieder bei einem sehr großen Aber: Warum kann so ein Gütesiegel nicht auch in der 24-Stunden-Betreuung eingeführt werden?

Die Infrastruktur für solch ein Zertifikat ist im Ministerium bereits vorhanden. Die ersten Anforderungsprofile an gute bis ausgezeichnete 24-Stunden-Betreuung gibt es bereits (gemeinsame Qualitätsstandards von Caritas, Hilfswerk und Volkshilfe). Auch vom NQZ könnten wahrscheinlich Teile übernommen werden.

Dieses Gütesiegel muß auch nicht kostenlos sein, um das Argument „zusätzliche Kosten“ und „der Staat kann sich das nicht leisten“ zu entkräften. Solch ein Zertifikat muß sogar etwas kosten, damit es als werthaltig wahrgenommen wird. Wichtig dabei ist, daß die Kosten des Zertifikats gestaffelt nach der Größe der Agentur sind. Sonst können sich dieses Zertifkat nur die „Großen“ leisten und kleine Agenturen, die ebenso so gute Leistungen erbringen, hätten kaum eine Chance. Und in weiterer Folge würden die „schwarzen Schafe“, die es unweigerlich gibt, automatisch vom Markt verschwinden. Denn welche Familie engagiert eine Agentur, um ein Familienmitglied betreuen zu lassen, die dieses Gütesiegel nicht hat.

Für neu gegründete Unternehmen in diesem Bereich müßte eine Übergangsfrist geschaffen werden, ab wann sie sich für das Gütesiegel bewerben können.

Die Pflege eines Angehörigen ist ein hoch emotionales und äußerst sensibles Thema. Niemand will einem Pflegebefürftigen zumuten, mehrere Agenturen ausprobieren zu müssen, bis die Betreuung paßt. Daher ist es hoch an der Zeit, daß es auch für diese Pflegeform, der 24-Stunden-Betreuung, endlich ein Qualitätszertifikat gibt.