Delegation pflegerischer und ärztlicher Tätigkeiten

Unter der Delegation pflegerischer und ärztlicher Tätigkeiten versteht man die Übertragung pflegerischer bzw. ärztlicher Tätigkeiten an PersonenbetreuerInnen. Dies erfordert neben einer schriftlichen Anordnung auch eine Anleitung und Unterweisung durch einen Arzt oder einen Angehörigen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege.

Voraussetzungen:
Im Sinne der Qualitätssicherung, aber auch zur rechtlichen Absicherung, müssen stets folgende Voraussetzungen bei der Delegation ärztlicher und pflegerischer Tätigkeiten erfüllt sein:

  • Die Delegation pflegerischer und ärztlicher Tätigkeiten darf nur im Einzelfall erfolgen. Das heißt, dass PersonenbetreuerInnen die übertragene Tätigkeit nur an der Person durchführen dürfen, für die die Delegation erfolgt ist.
  • Pflegerische und ärztliche Tätigkeiten dürfen nur ausgeübt werden, sofern die Betreuungskraft dauernd oder zumindest regelmäßig über längere Zeiträume im Privathaushalt der zu betreuenden Person anwesend ist.
  • Pro Privathaushalt dürfen PersonenbetreuerInnen höchstens drei Menschen, die zueinander in einem Angehörigenverhältnis stehen, betreuen.
  • Es muss eine schriftliche Einwilligung der zu betreuenden Person oder eines Angehörigen vorliegen.
  • Es muss eine schriftliche Anordnung hinsichtlich der Tätigkeiten von der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegeperson bzw. dem Arzt vorliegen.
  • Im Rahmen der Anleitung und Unterweisung muss ausdrücklich auf die Möglichkeit der Ablehnung der Übernahme der Tätigkeit durch die Personenbetreuerin bzw. den Personenbetreuer hingewiesen werden.
  • Die Person, die die Anleitung und Unterweisung vornimmt, muss sich vergewissern, dass die Personenbetreuerin bzw. der Personenbetreuer über die erforderlichen Fähigkeiten zur Durchführung der übertragenen Tätigkeiten verfügt.
  • Die Übertragung von pflegerischen und ärztlichen Tätigkeiten ist befristet und endet spätestens mit dem jeweiligen Betreuungsverhältnis.
  • Dokumentationspflicht: Die Delegation pflegerischer und ärztlicher Tätigkeiten muss durch den Arzt bzw. die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson dokumentiert werden. Die PersonenbetreuerIn ist ebenfalls verpflichtet, die Durchführung der übertragenen Tätigkeiten ausreichend und regelmäßig zu dokumentieren.
  • Informationspflicht: Alle Informationen, die für die Übertragung von Bedeutung sein könnten, müssen PersonenbetreuerInnen unverzüglich der anordnenden Person bekannt geben. Das betrifft insbesondere eine Veränderung des Zustandsbildes der betreuten Person oder eine Unterbrechung der Betreuungstätigkeit.
  • Kontrollpflicht: Die Durchführung der delegierten pflegerischen und ärztlichen Tätigkeiten muss regelmäßig durch einen Angehörigen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege bzw. durch einen Arzt kontrolliert werden.

 

Formulare:
Dokumentation über die Übertragung pflegerischer Dienstleistungen

Dokumentation über die Übertragung ärztlicher Tätigkeiten

Wichtig:
Wenn ein(e) Personenbetreuer(in) ohne schriftliche Delegation ärztliche oder pflegerische Tätigkeiten ausüben, droht ihr/ihm eine Verwaltungsstrafe in der Höhe von bis zu € 3.600,-. Das gilt auch, wenn eine Ausbildung zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegeperson vorliegt: Selbst dann darf die Betreuungsperson im Rahmen des Gewerbes der Personenbetreuung pflegerische Tätigkeiten – wenn medizinische Gründe eine Anordnung erforderlich machen – und ärztliche Tätigkeiten nur nach einer entsprechenden Delegation durch einen Arzt oder eine diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson durchführen.

Quelle: www.wko.at [abgefragt am 04-05-2017]