Automatisierung in der Pflege – Pflegeroboter

Heute möchte ich mich dem Thema Automatisierung in der Pflege und hier im Speziellen den Pflegerobotern widmen.

Nicht nur Pflegeroboter, sondern auch elektronisch gesteuerte Teddybären, die mit demenzkranken Menschen kuscheln, Inkontinezsensoren, Duschautomaten, motorische Umlagerungs- und Pflegehilfen, etc. gibt es bereits, um das Leben des zu Betreuenden und auch des Pflegepersonals zu erleichtern.

Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Automatisierung wird im Bereich der Pflege immer intensiver betrieben.

Das ist auch gut so. Beobachtet man die demographische Entwicklung der österreichischen Bevölkerung in Österreich sieht man, daß bis 2020 die Gruppe der

  • 65 bis 79-Jährigen um ca.200.000 auf 1,2 Millionen Personen und die
  • über 80-Jährigen um ca. 110.000 auf 476.000 Personen

im Vergleich zu 2006 wachsen wird. Somit wird der Bedarf an Pflege und Betreuung erheblich ansteigen. [Quelle: www.oif.ac.at, abgefragt am 18-04-2016]

Hinzu kommt, daß sich auch die Familienstruktur massiv verändert hat. Die Zahl der kinderlosen Personen steigt seit Jahren kontinuierlich an (siehe Statistik Austria – Erhebungszeitraum 1985 bis 2015; www.statistik.at, abgefragt am 18-04-2016) –, wobei Kinder kein Garant sind, daß sie sich um einen kümmern, wenn man alt und krank ist.

Auch die Anzahl der Einpersonenhaushalte steigt erheblich (siehe www.statistik.at, abgefragt am 18-04-2016) und hier ist die Altersgruppe der über 65-Jährigen interessant zu beobachten. 2001 gab es in dieser Altersgruppe 405.000 Einpersonenhaushalte, bis 2021 wird ihre Zahl auf 530.000 steigen. [Quelle: www.oif.ac.at, abgefragt am 18-04-2016]

In den meisten westlichen Industrienationen ist die Entwicklung vergleichbar.

Was heißt das für diese Menschen im speziellen und die Gesellschaft im allgemeinen?

  • Nicht alle, die eine 24-Stunden-Betreuung benötigen, werden sich eine 24 Stunden Betreuung leisten können – mit nur einer Pension ist das fast unmöglich (außer man hat in der Nationalbank gearbeitet). Eine alleinstehende Verkäuferin wird sich das höchstwahrscheinlich nicht leisten können.
  • Nicht alle, die einen Pflegeheimplatz benötigen, werden einen Pflegeheimplatz bekommen können – so viele Pflegeheime können Bund, Länder und Gemeinden nicht bauen und vorallem erhalten, daß alle Pflegebedürftigen einen Platz bekommen. Von der Qualität reden wir jetzt einmal gar nicht.
  • Nicht alle Pflegebedürftige haben Verwandte, die sich um sie kümmern können und wollen.

Mögliche Maßnahmen, um diesen Anstieg verkraften zu können, sind ein Ausbau der mobilen Betreuung oder eine massive Forcierung der Automatisierung – oder beides.

Der Vorteil der Automatisierung liegt auf der Hand:

  • Nachwuchsprobleme im Pflegebereich werden geringer
  • Kostenersparnis (wenn die Roboter massentauglich sind)
  • alte Menschen können länger selbständig zu Hause leben

Ob Pflegeroboter dann wirklich in allen Bereichen einsetzbar sind, wird die Zukunft zeigen. In Japan sind Roboter bereits jetzt im Einsatz (siehe www.futurezone.at, abgefragt am 18-04-2016)

Was können Pflegeroboter der aktuellen Generation?

Pflegeroboter können unterstützen, Medikamente und Nahrungsmittel bringen, beim Hinlegen und Aufrichten helfen und den Notdienst alarmieren, wenn der Pflegebedürftige selbst nicht mehr in der Lage ist, Hilfe zu rufen. Besonders nachts könnte das dem Pflegebedürftigen aber auch seinen Verwandten ein Gefühl von Sicherheit geben.

Im Haus der Barmherzigkeit in Wien wird gerade Henry – ein Krankenpflegeroboter getestet. Seine Aufgaben beinhalten Information und Unterhaltung, aber auch Erhöhung der Sicherheit der Heimbewohner. (siehe wien.orf.at, abgefragt am 18-04-2016)

Am Fachbereich 4 Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule in Frankfurt am Main z.B. wird schon seit geraumer Zeit über Einsatzfelder für emotionale Robotik geforscht. Eine Roboterrobe wird bei Kindern in Krankenhäusern und demenzkranken Menschen in Alten- und Pflegeheimen als Stimmungsaufheller eingesetzt. Könnte das nicht auch einfach ein Kuscheltier – und das viel billiger? Das streiten die Forscher nicht ab, ABER ein Roboter hat ein Gedächtnis, kann Lernen und kann sich an sein Gegenüber anpassen. (siehe www.deutschlandfunk.de, abgefragt am 18-04-2016).

Tja, da fängt der Roboter jetzt zu „menscheln“ an und kann mit seinem Gegenüber interagieren. Das kann ein Kuscheltier nicht. Da sind wir beim Begriff Einsamkeit, die bei alten und/oder kranken Menschen ein großes Thema ist, gerade wenn die Mobiltät schon eingeschränkt ist. Die Familienangehörigen wohnen nicht immer in der Nähe, haben selber Familie, oder stehen mitten im Berufsleben. So sehr der Wunsch nach mehr Kontakt auch da sein sollte, ist die Zeit, die mit einem kranken oder betreuungsbedürftigen Familienmitglied verbracht werden kann, oft sehr eingeschränkt.

Auch an der Johannes Kepler Universität Linz und im Future Lab des Ars Electronica Centers Linz wird an der Beziehung zwischen Mensch und Roboter geforscht. Frau Univ.-Prof. Dr. Martina Mara forscht unter anderem auf dem Gebiet „Uncanny Valley“ – androide Roboter und Unheimlichkeitsempfinden. Da das hier kein Wissenschaftsblog ist, nur eine kurze Erklärung. Wer Genaueres wissen will, bitte bei Wikipedia nachlesen. Einfach gesagt handelt es sich bei „Uncanny Valley“ um die fehlende Akzeptanz von künstlichen Figuren, also Robotern oder Avataren bei Computerspielen, die dem Menschen zwar sehr ähnlich sehen, aber eben noch nicht ganz. Bisherige Forschungen haben ergeben, daß Menschen hochabstrakte, völlig künstliche Figuren eher akzeptieren als Figuren, die zunehmend realistischer werden. Erst wenn sich die künstliche Figur nicht mehr vom Menschen unterscheidet, ist die Akzeptanz am größten.

Wobei ich mir bei meiner Mutter nicht vorstellen kann, daß sie, egal wie menschlich der Pflegeroboter auch wirken mag, sie diesen akzeptieren würde. Ich glaube das gilt für die meisten heutigen alten Menschen. Was ich schon glaube, ist, daß jene, die heute jünger als 50 Jahre sind, weniger Berührungsängest mit diesen Technologien haben werden, da der Umgang mit Computern, Internet, Smartphone usw. alltäglich ist

Hier auch wieder der Hinweis auf die demographische Entwicklung (siehe am Beginn des Artikels): die Kommunikation mit Maschinen wird ein noch viel größeres Thema werden, da die Anzahl der Alten immer höher wird.

Ich möchte mit einem Ausblick, wie die Zukunft der Pflegeroboter aussehen könnte, den Bereich Robotik schließen:

„Trotz der Zurückhaltung aller Beteiligten gegenüber zu viel Technik in der Pflege ist allerdings denkbar, dass es in ein oder zwei Generationen in Deutschland auch Pflegeroboter geben könnte. Darauf zumindest spekulieren zum Beispiel Forscher der TU Darmstadt, die Lernprogramme für Roboter entwickeln und finanziell von Maschinenbauern wie ABB und Bosch unterstützt werden.

Sie prognostizieren, dass Robotertechnik in Zukunft zum Beispiel alten Menschen helfen können wird, die aus eigener Kraft Bewegungen nicht mehr ausführen können. Der Roboter, der in diesem Fall wie ein Kleidungsstück übergezogen werde, solle dann die Intentionen des Nutzers empfinden können und ihm helfen, Bewegungen auszuführen.“ [Quelle: www.welt.de, abgefragt am 18-04-2016]

Momentan ist die Akzeptanz für solche Pflegeroboter in Europa nicht vorhanden. Abgesehen davon sind diese Roboter auch noch nicht leistbar.

Zum Abschluß noch ein Artikel von Spiegel Online, wo der Pflegeroboter als Hightech-Kamerad für das Alter beschrieben wird. Auf der Messe Innorobo in Frankreich werden die neuesten Serviceroboter vorgestellt, die erstmals das Potential haben, in der Praxis eingesetzt werden zu können. Es werden u. a.

  • Roboter präsentiert, die mittels Joystick vom Rollstuhl aus gelenkt werden können,
  • Tischroboter, die Schwerbehinderten mittels Fußsteuerung beim Essen helfen,
  • vom Patienten gesteuerter Reha-Rollator, der therapeutische Gehversuche unterstützt,
  • tragbare Überwachungsautomaten,
  • ferngesteuerte Kameraplattformen, die Ärzten, Pflegepersonal oder Familienangehörigen Kontakt und Einblick in die Wohnung der betreuten Senioren ermöglichen,
  • und noch einige andere Innovationen auf dem Gebiet der Dienstleistungsroboter

[Quelle: www.spiegel.de, abgefragt am 18-04-2016]

Einen Bereich habe ich noch nicht angesprochen – und das sind ethische Fragestellungen. Dazu gehören Aspekte wie:

  • Überwachung, auch wenn sie zum Wohle des Menschen eingesetzt wird (nicht nur in der Pflege ein Thema)
  • Maschinen, die mittelfristig teureres Pflegepersonal oder Therapeuten verdrängen werden
  • Eventuell werden Angehörige Betreuungsbedürftige weniger oft besuchen, da ja sowieso ein Pflegeroboter da ist, etc.

Diesen Aspekten werde ich mich in einem eigenen Blogeintrag widmen.

Der nächste Blogeintrag wird sich ebenfalls der Automatisierung in der Pflege widmen, und zwar dem Ambient Assisted Living (AAL) – auf Deutsch: Altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben.