Automatisierung in der Pflege – Ambient Assisted Living (AAL)

Der letzte Beitrag beschäftigte sich mit Pflegerobotern. Diesesmal möchte ich näher auf die Ambient Assisted Living (AAL) – auf Deutsch: Altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben eingehen. Dazu gehören z.B.

  • Sturzmeldesysteme; mittels Sensoren in Schuhen oder im Boden eingebaut kann ein Sturz erkannt und Alarm ausgelöst werden. Auch Smartphones können diese Funktion bereits erfüllen.
  • Rufhilfen zum Tragen am Körper; per Knopfdruck kann Hilfe angefordert werden.
  • Universelle Fernsteuerungen mit deren Hilfe diverse Haushaltsgeräte bedient werden können.
  • Video- und Audiosysteme mit deren Hilfe Pfleger oder Ärzte kontaktiert werden können.
  • Geruchssensoren, die feststellen, ob jemand ins Bett gemacht hat, oder ob die Windel voll ist.

In Reutlingen (Baden-Württemberg) wird im Bereich betreutes Wohnen gerade ein System namens Patronus getestet. Dieses Programm enthält ein Notrufsystem, automatische Rollladensteuerung, Sturz-Detektoren, Sensoren an Wasch- und Geschirrspülmaschine sowie Lichtschranken an den Türen, die sofort eine Information auf das Smartphone des Pflegers schicken, wenn ein Bewohner die Wohnung oder das Haus verläßt.

Um dieses System nutzen zu können muß entweder bestehender Wohnraum adaptiert werden – was erhebliche Kosten verursacht – oder in neu zu errichtenden Gebäuden wird dieses System von Anfang an eingebaut. Das erhöht zwar die Baukosten, vermindert aber in späterer Folge die Betreuungskosten.

In Bamberg entstand in Kooperation mit der Joseph-Stiftung, der SOPHIA living network GmbH, dem Fertighaushersteller „SmartHouse“ und der Unterstützung der Stadt Bamberg ein AAL-Musterhaus. Aber auch AAL-Produkte anderer Hersteller werden eingesetzt.

Dieses Musterhaus, auch „Living Lab “ (lebendes Labor) genannt, wird in einer Art „Testphase“ von Mitarbeitern der SOPHIA living network GmbH bewohnt. Alle Geräte und Services, die speziell für dieses Haus entwickelt und eingebaut wurden, werden im Echtbetrieb getestet. Der Fokus liegt in den Bereichen Sicherheit, Komfort, Kommunikation, Energieverbrauch und Gesundheit.

Die Stiftung war Teilnehmerin eines europaweiten Forschungsprogrammes zum Thema Wohnunterstützung – I-stay@home. Die Ergebnisse dieses Forschungsprogrammes, das am 30-09-2015 endete, finden Sie auf der Homepage von I-stay@home .

Heute werden in neu gebauten Häusern bereits BUS-Systeme eingebaut. Damit kann z.B. die Heizung bereits auf dem Heimweg eingeschaltet werden oder Rolläden werden automatisch auf und zu gemacht, während sich die Hauseigentümer auf Urlaub befinden uvm. Aber wer denkt beim Planen eines Privathauses an jenen Lebensabschnitt, in dem man nicht mehr leichtfüssig die schicke Wendeltreppe in den ersten Stock läuft? Die wenigsten. Vielleicht wird in den nächsten Jahren die Adaptierung bestehender Häuser günstiger. Die Technik entwickelt sich, und bei größerer Nachfrage erhöhen sie die Stückzahlen und der Umbau wird billiger, so denkt wohl mancher. Dennoch ist es einfacher, wenn bereits bei der Planung auch das Alter und AAL-Systeme berücksichtigt werden.

Bei der Errichtung von Senioren- und Pflegeheimen und Wohnhäusern für betreutes Wohnen ist AAL bereits ein Thema.

Nachfolgend einige Links zum Thema AAL, für jene, die sich noch intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen wollen.